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13.12.2018, 14:25 Uhr
Gespräch mit Landesbischöfin Junkermann
Gespräch über grundsätzliche und aktuelle Fragen im Themenfeld von Politik und Kirchen
Am Montag, dem 3. Dezember 2018 hatte Landesbischöfin Ilse Junkermann die Landesvorstände der Evangelischen Arbeitskreise (EAK) der CDU aus Sachsen-Anhalt und Thüringen zum sechsten Gespräch in das Augustinerkloster Erfurt eingeladen.
  

Am Montag, dem 3. Dezember 2018 hatte Landesbischöfin Ilse Junkermann die Landesvorstände der Evangelischen Arbeitskreise (EAK) der CDU aus Sachsen-Anhalt und Thüringen zum sechsten Gespräch in das Augustinerkloster Erfurt eingeladen. Schwerpunkte waren Informationen aus der Landeskirche und den Arbeitskreisen, das Thema Organspende, Missbrauch und seine Aufarbeitung in den Kirchen der EKD, sowie Identität und Integration als Herausforderungen für Staat und Kirche.

 

Landesbischöfin Junkermann berichtete über wichtige Entwicklungen in der Landeskirche. Die Stellenplanung und eine Personalentwicklung, die den Bedürfnissen der Gemeinden vor Ort möglichst gut entspricht, sind eine ständige Aufgabe. Es muss die Arbeit in Regionen entwickelt werden. Dieses ist praktisch „Netzwerkarbeit“. In „Erprobungsräumen“ wird ausprobiert, was geht du was verallgemeinert werden soll. Erfreulich ist, dass in diesem Jahr 20 Personen ihr Examen in der theologischen Ausbildung bestanden haben. Erfahrungen aus der Reformationsdekade sollen in einem Programm „2017+“ umgesetzt werden. Dazu gehört u.a. das sehr gut angenommene KonfiCamp in Wittenberg.

 

Der Thüringer Landesvorsitzende Prof. Goebel verwies darauf, dass der Glaube in seiner praktischen Umsetzung immer politische Wirkungen habe. Darum kümmere sich auch der EAK. Der Landesvorsitzende aus Sachsen-Anhalt, Herr Scharf, ergänzte, dass damit der EAK sowohl eine „innere“ Aufgabe für die CDU erfülle, als auch als „Think Tank“ Anregungen der CDU für die ganze Gesellschaft erarbeite. Jüngstes Beispiel ist eine sehr beachtete Stellungnahme zur Frage der Widerspruchs- oder Zustimmungslösung bei einer Organspende.

 

Die Frage, wie die Organspende in Deutschland am besten organisiert werden soll, und welche ethischen Regelungen zu beachten und welche Strukturen des Transplantationswesens zu schaffen sind, beschäftigt derzeit weite Teile der Gesellschaft. Gleichzeitig ist es aber so, dass zu viele Menschen ihren diesbezüglichen Willen nicht dokumentieren. “Widerspruchslösung oder Zustimmungslösung“, das ist die verkürzte Fragestellung. Landesbischöfin Junkermann lehnt eine Widerspruchslösung bei der Organspende ab. Sie bezeichnet diese als einen „schweren Eingriff in die persönliche Integrität[1]“. Sie ist auch Botschafterin für den „anderen Organspende-Ausweis“, einer Kampagne der Evangelischen Frauen in Deutschland. Ihre Haltung ist in den Kirchen aber durchaus umstritten. Der 1. Vizepräses der Landessynode, Steffen Herbst, verwies darauf, dass es zu diesem wichtigen Thema bisher keine Stellungnahmen oder Entscheidungen der Landessynode gibt. Die Vertreter des EAK verwiesen auf eine Stellungnahme des EAK-Bundesvorstandes, die die Diskussion mitprägt. Er lehnt die Einführung einer Widerspruchslösung entschieden ab und plädiert stattdessen für die Beibehaltung der aktuell gültigen (erweiterten) Entscheidungslösung, die man – um Missverständnisse zu verhindern – doch besser eine „Befragungslösung“ nennen sollte[2]“. Alle Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass es einer Gewissensschärfung bedarf.

 

Sexuelle Gewalt ist auch in den evangelischen Kirchen und ihren Einrichtungen passiert. Die EAK-Synode hat sich eindeutig zur Aufarbeitung dieser Vorgänge bekannt. Auch die EKM stellt sich diesem Thema und hätte dieses wohl auch schon eher tun sollen, wie Landesbischöfin Junkermann erklärte. Die EKM ist sehr aufmerksam, weil sie weiß, dass die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eines besonderen Vertrauens bedarf. Die EKM betreibt aktive Prävention.

 

Prof Goebel berichtete über eine sehr aufschlussreiche EAK-Tagung „Identität und Integration - Eine Herausforderung für die christlichen Kirchen[3]“ am 9.Oktober 2018 in Erfurt. Geistliches und weltliches Regiment waren in Europa über Jahrhunderte aufeinander bezogen, haben sich aneinander abgearbeitet und ihre Sphären abgegrenzt.

Der Islam war daran nicht beteiligt. Vor allem über ihn kommt das Verhältnis

von Religion, Staat und Politik nun neu auf die Tagesordnung. Der Verweis

auf den säkularen Staat ist in diesem Zusammenhang zwingend notwendig, aber

keineswegs hinlänglich. Identität und Integration sind eine Herausforderung für

Staat und Gesellschaft. Sie sind es nicht minder für die christlichen Kirchen. Bischöfin Junkermann verwies darauf, dass sich die Kirchen diesen Diskussionen mit Offenheit und Entschiedenheit stellen müssen. Dass die Kirchen nicht uns gehören, sondern dem Herrn, sollte u.a. mit der Initiative „Offene Kirchen“ deutlich werden.

 

Es war das voraussichtlich letzte Gespräch, das Landesbischöfin Junkermann in dieser Funktion mit den Evangelischen Arbeitskreisen geführt hat. Die Vorsitzenden dankten der Landesbischöfin für viele gute Begegnungen und wünschten ihr Gottes Segen auf ihrem weiteren beruflichen und persönlichen Lebensweg.

 

 

Teilnehmer am Gespräch:

EKM: Landesbischöfin Ilse Junkermann, OKR Christhard Wagner, OKR Albrecht Steinhäuser

EAK Thüringen: Tillmann Bauer, Dr. Detlef Baer, Dr. Ulrich Born, Prof. Jens Goebel, Hildigund Neubert, Gudrun Holbe MdL, Volker Heerdegen, Hans-Steffen Herbst,

EAK Sachsen-Anhalt: Min. Anne-Marie Keding, Prof. Wolfgang Merbach, Jürgen Scharf,



[1] Siehe https://www.ekmd.de/presse/pressestelle-erfurt/landesbischoefin-lehnt-widerspruchsloesung-bei-der-organspende-ab.html

[2] Siehe https://www.eak-cducsu.de/artikel/stellungnahme-des-eak-bundesvorstandes-zur-aktuellen-organspende-diskussion

[3] Siehe https://www.eak-thueringen.de/index.php?ka=6&ska=16